Im Jahr 1909 berichteten ein paar lokale Zeitungen, dass der Levante Football Club seine Fußballaktivitäten aufnehmen würde. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde der Gimnástico Fútbol Club ins Leben gerufen. Anfangs noch in den Farben getrennt, fusionierte man nach Ende des spanisches Bürgerkriegs und wurde zu dem beliebten Verein, der noch heute Groß und Klein begeistert: Die Levante Unión Deportiva.
von Dominik Brütting
Ende des 19. Jahrhunderts wurde erstmals in der Comunidad Valenciana Fußball gespielt. Wie weiter im Süden in Andalusien und hoch oben im Norden im Baskenland waren es britische Arbeiter, die das Spiel nach Castellón, Alicante und Valencia brachten. Erstmals hatte man am 28. Mai 1900 von einem solchen Ereignis in der Region gehört, am Strand von Santa Pola, in der Provinz Alicante.
In Valencia versammelten sich zu Beginn Gruppen um das Hafengebiet und in den Stadtteilen El Cabanyal-El Canyamelar, El Grau und La Malva-rosa. Auch im Hafen von Sagunto rannten britische Seeleute dem runden Leder hinterher. Vorwiegend handelte es sich um Importeure von Orangen. Um 1902 formierten sich schließlich erste inoffizielle Mannschaften in der Stadt und 1907 entstand schließlich der Cabanyal Football Club, auch bekannt gewesen als Club Marítimo, ein direkter Vorgänger des Levante Football Club.
Die ersten Jahre
Durch die Gründungen der beiden Vorgängervereine im Jahr 1909 ist die Levante Unión Deportiva nicht nur der älteste noch bestehende Fußballverein der Stadt Valencia, sondern der gesamten Comunidad Valenciana, einer von 17 autonomen Regionen Spaniens. Der Stadtrivale und sportlich meist erfolgreichere Valencia Club de Fútbol wurde 10 Jahre später, im Jahr 1919 gegründet.
Der Levante FC trug seine Heimspiele am Campo del Camino Hondo del Grao in der Nähe des Hafengebiets aus, während Gimnástico im Estadio de Vallejo unweit des heute trockengelegenen Flussbettes des Rio Turia beheimatet war. Zu jener Zeit traten die Spieler Levantes in schwarz-weiß gestreiften Trikots an, die Farben Gimnásticos waren das heute bekannte Rot und Blau. Bereits damals trugen beide Teams im Logo die Fledermaus, das Wappentier Valencias.
Spanischer Bürgerkrieg und der Zusammenschluss
Während des spanischen Bürgerkriegs (1936 – 1939) erzielte der Verein seinen bis heute größten sportlichen Erfolg. Im republikanisch kontrollierten Teil Spaniens gewann man gegen Valencia das Finale der Copa de España Libre, der Pokal des freien Spaniens. Der Erfolg in dem Wettbewerb, der ausschließlich von Mannschaften der Regionen Valencia und Katalonien ausgetragen wurde, war aber lange nicht offiziell anerkannt. Erst 70 Jahre später, im Jahr 2007, sprach der spanische Senat den Titel Levante offiziell zu.
Nach Ende des Bürgerkriegs war die sportliche Heimat des Levante FC vollständig zerstört, während das Estadio de Vallejo noch intakt war, es aber bei Gimnástico an spielfähigen Männern fehlte. Um wirtschaftlich und sportlich überleben zu können, strebten beide Vereine eine Fusion an, die im Jahr 1939 schließlich erfolgreich vollzogen wurde. Was nun entstand, ist die bis heute bekannte Levante Unión Deportiva. Als Hauptfarben wählte man das Rot und Blau Gimnásticos, die schwarz-weißen Trikots des Levante FC dienten fortan als Auswärtstrikots. Spielstätte war ab 1939 nun das Estadio de Vallejo.
Die Granotas und Johan Cruyff
Der bis heute gängige Spitzname Granotas – Valencianisch für Frösche – stammte ebenfalls aus der Zeit im Estadio de Vallejo. In jenen Jahren floss noch Wasser durch das heute trockengelegte Flussbett des Rio Turia, der nahe des Stadions verlief. Bei starkem Regenfall trat der Fluss über seine Ufer und mit ihm eine Vielzahl der dort lebenden Frösche. Das anschließend überschwemmte Spielfeld erfreute sich dann an dem lauten Klang der Amphibien. Bis 1968 trug man dort seine Heimspiele aus, ehe das altehrwürdige Vallejo seine Pforten auf ewig schloss und man fortan im Estadio Ciudad de Valencia seine Spiele austrug. Heute erinnert eine kleine Gedenktafel an der Außenwand an die historische Spielstätte, an der nun ein großes Wohnhaus in den Himmel ragt.
Der wohl bekannteste Fußballer, der sich je das Trikot der Levante UD übergestreift hat, war Johann Cruyff. Der Erfinder des modernen Spielstils Barcelonas, für einige gar der Erfinder des modernen Fußballs im Allgemeinen, schnürte in der Saison 1981 die Schu-he für den valencianischen Traditionsverein. Das sich mit 34 Jahren schon über dem Zenit befindende und streitbare Genie tat sich mit der Vereinsführung schwer, plagte sich mit Verletzungen umher und bestritt lediglich zehn Partien in der spanischen Zweitklassigkeit. Nachdem der Aufstieg verpasst wurde, verließ Cruyff Levante schließlich wieder.
Ausflug nach Europa und der helle Stern der Frauenmannschaft
Im Jahr 2004/05 kehrte Levante nach 40 Jahren wieder ins spanische Oberhaus zurück. Und der größte Erfolg der jüngeren Geschichte sollte bald folgen: Nach einem sechsten Tabellenplatz in der Saison 2010/11 – der besten Platzierung der Vereinsgeschichte – konnte man sich für den internationalen Wettbewerb in der darauffolgenden Spielzeit qualifizieren. Man überstand die Gruppenphase als Zweiter hinter Hannover 96 und vor Helsingborgs IF und FC Twente Enschede. Im Sechzehntelfinale eliminierte man dann überraschend das griechische Topteam Olympiakos Piräus mit 4:0 nach Hin- und Rückspiel. Erst im Achtelfinale musste man sich Rubin Kazan nach Verlängerung geschlagen geben.
Ein Aushängeschild des Vereins ist die Frauenmannschat, Levante UD Femenino. Sie entstand durch die Eingliederung des San Vicente Valencia CFF im Jahr 1998, ein Vorreiter des Frauenfußballs in der Stadt. Bereits der Ursprungsverein konnte 1997 die spanische Meisterschaft und den Superpokal gewinnen. Zudem war man das erste spanische Team, das an der Erstauflage der UEFA Women´s Champions League – damals noch UEFA Women´s Cup – in der Saison 2001/02 teilgenommen hatte. Nach der Jahrtausendwende und noch bis heute zählt man zu den Spitzenklubs des Landes, konnte drei weitere Meisterschaften, sechs Pokalsiege und drei Superpokale erringen. Im Jahr 2007 kam es erstmals in einem offiziellen Ligaspiel zu einem Aufeinandertreffen mit der Deutschen Schule Valencia, deren Damenteam im Jahr 2009 in den Valencia CF inkorporiert wurde.
Ein Verein für alle
Neben Fußball betreibt der Verein noch weitere Sportarten, wie Futsal, Handball und eSports. Großen Wert legt man zudem auf die eigene Jugendarbeit, die einen hervorragenden Ruf genießt. Eine Herzensangelegenheit ist die Levante Unión Deportiva Fundación, die seit 2012 besteht. Sie hat sich dem Ziel verschrieben, Menschen mit Behinderung in den Sport zu integrieren. Nach nun 12 Jahren blickt man stolz auf 255 Sportler und Sportlerinnen, die dort ihrer Leidenschaft nachgehen können und wer weiß was die Zukunft noch alles bringen wird.

