Homestory Teil I – Angela Droste – Schulleitung der Deutschen Schule in Valencia, DSV

Die Direktorin der DSV, Angela Droste, gebürtig aus Heilbronn am Neckar, kam bereits 1997 zum ersten Mal nach Valencia. Seit 5 Jahren ist sie nun Schulleiterin der Deutschen Schule in Valencia. Frau Droste gibt uns in unserer heutigen Homestory nähere Einblicke in die Cursillos und berichtet uns von den Herausforderungen, denen sie sich als Direktorin stellen musste.

Wie kann man sich den Berufsalltag der Direktorin der Deutschen Schule vorstellen?

Nun ja, es ist eine sehr vielfältige Aufgabe mit sehr unterschiedlichen Themenfeldern. Das sind zum einen die Schüler, die Eltern, die Kollegen, die deutschen Behörden und Dinge, die auf der formalen Ebene zu erledigen sind wie Konferenzen einberufen, Besprechungen, Koordination von Abläufen, strategische Entscheidungen, Kooperationen mit dem Vorstand und der Verwaltungsleitung und mit den deutschen Behörden. Das ist so der Rahmen, der bei uns gespannt ist. Bei uns war nun in den letzten Jahren auch der Bau ein Thema, die Erweiterung der Schule. Häufig stehen auch Abendtermine an. Es ist zuweilen sehr anstrengend, aber auch natürlich sehr spannend und abwechslungsreich. Genau das macht die Tätigkeit für mich nach wie vor sehr reizvoll – ich mache das jetzt bald zwanzig Jahre. Es ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, eine herausfordernde Tätigkeit, aber auch mit ganz vielen Gestaltungsmöglichkeiten. Ich habe diese Entscheidung vor zwanzig Jahren getroffen und habe sie bis heute nicht bereut.

Welche Hürden mussten Sie als Schulleitung in Valencia nehmen?

Die größten Hürden musste ich als Schulleitung in den ersten beiden Jahren nehmen. Das hatte mit der Einarbeitung zu tun, mit der Orientierung an der Schule. Es waren dann aber auch Veränderungen in den Leitungsfunktionen an der Schule, die das Schulleben teilweise belastet haben, weil es große Veränderungen waren, die vorgenommen wurden, was auch Widerstände hervorgerufen hat. Es hat dann auch ein wenig gedauert, bis sich diese Veränderungen als positive Entscheidungen herausgestellt hatten und dann auch eine gute Zusammenarbeit möglich war. Es war sehr naiv zu glauben, dass ich die Schule bereits kenne… als Kollegin, ja, aber die Perspektive der Schulleiterin ist einfach eine andere. Es bleibt nicht aus – bei einer Leitung, die leiten will – und das wollte ich von Anfang an, dass man Veränderungen vornimmt zum Wohle der Entwicklung der Schule. Ich hatte mir ja, aus unterschiedlichen Perspektiven, bereits ein Bild von der Schule machen können, als Mutter, als Kollegin, auch im Personalrat. Gerade die Jahre in Valencia haben mir dabei geholfen ein klares Bild davon zu erhalten, was eine gute Schule ausmacht und was man dafür tun muss, dass sich das in diese Richtung weiter entwickelt. Die Deutsche Schule Valencia war immer eine gute Schule mit einem sehr guten Ruf. Daher bestanden viele meiner Aufgaben in der Feinarbeit, so zum Beispiel Strukturen robuster machen, so dass man als Schulleitung irgendwann quasi überflüssig wird. Die Schule sollte so gut laufen, dass der Dirigent sich auch mal verabschieden kann. Ich denke, dass wir in diesem Bereich ein ganzes Stück weitergekommen sind.

Welche Unterschiede sehen Sie an der DSV zu einer deutschen Schule?

Der Hauptunterschied ist, dass wir hier ganz andere Schüler haben. Ich habe 14 Jahre lang eine sehr gute Schule in Heilbronn geleitet, aber die Schülerschaft hier ist einfach großartig. Das ist Wonne, wenn man hierher kommt, ist man im pädagogischen Paradies. Ich habe das in meiner Laufbahn nirgends erlebt, diese Leistungsbereitschaft und Motivation, um zu lernen. Auch als Schulleiterin merkt man das – das ist so der Spirit, den man hier hat.

Liegt das daran, das hauptsächlich spanische Schüler an einer deutschen privaten Schule sind? Sind diese motivierter?

Man kann schon sagen, dass die Schüler motivierter sind, man muss natürlich auch dazu sagen, dass der größte Teil der Schüler ausgesucht ist. Vor allem unsere C-Klassen müssen etliche Hürden nehmen bevor sie den Eintritt in die Schule schaffen. Hinzu kommt, dass wir ein sehr forderndes Angebot machen. Die Schule ist sehr anspruchsvoll, man muss also einiges leisten – das ist auch so bekannt in der Bevölkerung und bei den Bürgern der Stadt Valencias. Daher schicken Eltern ihre Kinder zu uns, die mit ihren Kindern auch etwas vorhaben, die Ihnen wirklich eine sehr gute Ausbildung bieten wollen und zumindest auch die große Hoffnung haben, dass ihre Kinder das auch verkraften. Sie müssen hier einiges verkraften und wirklich viel leisten. Die Eltern unterstützen das, wir haben hier ein sehr bildungsnahes Publikum. In Deutschland macht man ja die Unterscheidung zwischen bildungsfern und bildungsnahe – hier schreibt man der Bildung und Ausbildung einen hohen Stellenwert zu.

Die deutsche Schule ist ja, besonders unter den Spaniern, sehr gefragt und hat ein sehr großes Ansehen. Können Sie unsere Leser über die Aufnahmebedingungen etwas aufklären? 

Es gibt prinzipiell zwei Wege zur Aufnahme in die Deutsche Schule Valencia. Einmal über die erfolgreiche Bewerbung und Aufnahme über den Kindergarten und zum anderen als Seiteneinsteiger aus den Cursillos, da kommen wir später noch drauf zu sprechen, was genau die Cursillos sind. Hier tritt man dann in die 5. Klasse des Gymnasiums ein und die Bedingungen sind schon umfangreich, vor allem bei den Seiteneinsteigern. Diese müssen einen Aufnahmetest machen, sie müssen innerhalb eines Jahres Deutschkenntnisse aufweisen, die sie während der Cursillos erhalten. Zudem spielt ihre Arbeitshaltung und die Ergebnisse ihrer schriftlichen Arbeiten eine Rolle. Hier muss man fleißig lernen, um dann für die Aufnahme für das Gymnasium vorgeschlagen zu werden.

Es ist sicher ein Vorteil, wenn man bereits Geschwister an der Schule hat oder wenn gar ein,- oder beide Elternteile deutsche Staatsbürger sind oder aber auch eine enge Verbindung zu Deutschland besteht – beruflicher Art oder aber auch Exalumni. Diese haben einen geringen Vorteil vor den valencianischen Familien, wobei wir sehr darauf achten, dass ein gewisser Prozentsatz rein spanische, valencianische Familien sind, die wir uns aber auch genau anschauen,  ob hier ein echtes Interesse am deutschen Schulsystem besteht, ob  Kenntnisse zum Bildungssystem vorhanden und die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem spanischen Bildungssystem bekannt sind, etc. .Hier muss schon eine gewisse Affinität von Seiten der Eltern vorhanden sein, dass man eben mit dem Bildungssystem, das die Deutsche Schule Valencia anbietet, konform ist.  

Es besteht eine hohe Nachfrage nach der DSV. Hier auszuwählen ist bestimmt auch keine leichte Aufgabe?

Wir haben einen großen Andrang, wir machen mit so gut wie allen Eltern Aufnahmegespräche, Spielrunden mit den Kindern – die Erzieherinnen sind ebenfalls beim Aufnahmeprozess involviert, damit man sieht, wie weit die Kinder in ihrem Entwicklungsstadium sind. Die Kriterien sind eigentlich sehr transparent, das wird im Übrigen auch mit dem Vorstand abgesprochen. Es muss deutlich und klar sein, wer unter welchen Bedingungen an die Deutsche Schule kommt. Leider gibt es immer wieder Eltern, die sehr enttäuscht sind, dass sie den Zutritt nicht bekommen. Das lässt sich natürlich bei der Menge der Anmeldungen nicht vermeiden. Es fällt uns natürlich auch schwer Eltern abzulehnen. Wenn es allerdings triftige Gründe hierfür gibt, dann müssen wir das machen. Wir haben eben auch nur ein begrenztes Kontingent.

Für spanische, aber auch deutsche Kinder bieten sie die „Cursillos Kinder“ an. Was genau steckt dahinter?

Wir haben zwei Cursillos, einmal die Cursillos Kinder, die am Samstag stattfinden und für ein Publikum gedacht sind, das zunächst die Aufnahme in den Kindergarten nicht geschafft hat, aber die Kinder spielerisch an die deutsche Sprache heranführen wollen und ihre Kinder evtl. später über die Cursillos als Seiteneinsteiger in die Deutsche Schule bringen möchten. Das ist ein spezielles Angebot für sehr junge Kinder, also Kinder im Kindergartenalter.

Bei den Cursillos selbst gehen wir aktiv vor. Das heißt, unsere spanischen Lehrkräfte im dritten Grundschuljahr gehen in spanische Grundschulen und werben für die Cursillos. Was dann zur Folge hat, dass die Interessenten im Herbst zu uns in die Deutsche Schule kommen und den Aufnahmetest ablegen. Der Test beinhaltet einen Intelligenztest und es wird die Arbeitsleistung und soziale Reifung geprüft. Diejenigen, die die Kriterien erfüllen, werden dann bei uns in die Cursilloklassen aufgenommen.  Die Besten der Schüler bekamen es bisher kostenlos. Neuerdings erheben wir einen kleinen Obolus für diese Ausbildung, der dann bei erfolgreicher Aufnahme in die Schule zurückerstattet wird.

Was machen die Kinder dort?

Sie lernen so viel Deutsch, so dass sie in die fünfte Klasse eingegliedert werden können. Sie werden bis zur neunten Klasse schrittweise, vor allem auch an die Natur- und Geisteswissenschaften herangeführt, so dass sie in der Klasse 9 mit den anderen Kindern zusammengeführt werden.  Das ist eine fantastische Einrichtung hier an der Schule, die in den 70er Jahren von einem Vorgänger von mir eingeführt wurde und wir sind die Schule, wo dieses Konzept mit Abstand am Besten funktioniert.  Es hat sich fest etabliert, gerade in der valencianischen Bevölkerung.  Wir haben teilweise auch zwei Klassen von den Cursillos aufgenommen, solange wir noch eine Grundschulklasse hatten. Das sind ganz tolle Kinder, die über die Cursillos zu uns kommen. Sehr begabt und sehr fleißig, die oft die besten Abiture abschließen. Die Cursillos zähle ich als Erfolgsmodell. Das Schöne daran ist, dass wir das als Privatschule anbieten können und auch mit Stipendien unterstützen.

Mehr zur Deutschen Schule in Valencia erfahrt ihr in unserem zweiten Teil der Homestory mit der Schulleitung Angela Droste. Wir haben ihr noch einige Fragen gestellt, die die wir euch nicht vorenthalten möchten und in Kürze veröffentlichen.

An dieser Stelle vielen Dank an Angela Droste für den ersten Teil dieses Interviews!