Homestory Teil II – Angela Droste – Schulleitung der Deutschen Schule in Valencia, DSV

Wie wir bereits in unserem ersten Teil angekündigt hatten, wollen wir euch weitere offene Fragen an die Schulleitung der Deutschen Schule nicht vorenthalten und diese nun heute mit euch teilen. Die Direktorin Angela Droste stand uns zu Themen wie dem Bildungsangebot der DSV, dem Abitur und ihren Zielen Rede und Antwort.

Wann kamen Sie nach Valencia und haben die Leitung der Deutschen Schule übernommen? Aus welcher Stadt in Deutschland kommen Sie?

Ich bin aus Baden-Württemberg, genau aus Heilbronn am Neckar und bin zu Beginn des Schuljahres 2014/2015 als Schulleiterin an die Deutsche Schule Valencia gekommen. Ich war schon einmal da, als Auslandsdienstlehrkraft (ADLK) und zwar in den Jahren 1997 bis 2000. Damals hatte mich meine ältere Tochter begleitet, die zu diesem Zeitpunkt ihr Abitur an der Deutschen Schule absolviert hat. Ich „kannte“ die Schule also bereits und ich habe mich sehr gefreut, als ich die Chance bekommen habe wieder nach Valencia an die Deutsche Schule zurückzukehren.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf?

Die Vielfältigkeit der Aufgaben an einer Deutschen Schule im Ausland ist stark erweitert, wenngleich große Bereiche ausgelagert sind, wie beispielsweise die Verwaltungsleitung. Die Verwaltung musste ich in Deutschland selbst mit meinem Sekretariat machen.  Diesbezüglich bin ich persönlich nicht undankbar, dass das heute hier in sehr kompetenten Händen in der Schule liegt. Die Tatsache, dass wir eine Privatschule sind eröffnet natürlich neue Felder. Auch eine Begegnungsschule im Ausland ist natürlich anders als im Inland – man muss mehr Kompromisse finden, die Kulturen begegnen sich hier wirklich, was manchmal nicht sehr einfach ist. Hier meine ich die valencianischen Gepflogenheiten  in das Schulleben mit einfließen zu lassen, dem auch gerecht zu werden, was ca. 90% unserer Schüler und Eltern ausmacht. Man hat eine deutlich größere Gestaltungsmöglichkeit, weil der Schulträger mit am Tisch sitzt, also der Vorstand. Und wenn wir uns in der strategischen Ausrichtung und den Zielen der Schule einig sind, kann man sehr viel mehr erreichen als in Deutschland. Was ich hier vor Ort als großen Unterschied empfinde ist,  dass man hier mit einem Kollegium zusammenarbeitet,  das unglaublich motiviert, fleißig und einsatzfreudig ist – das macht schon sehr viel Freude.

Wie frei sind sie in der Gestaltung der Bildungspolitik an Ihrer Schule und was wird vom Deutschen Kultusministerium vorgegeben?

Wir machen ein Bildungsangebot, Bildungspolitik betreiben wir nicht, wenn überhaupt machen wir Kulturpolitik nach außen hin. Aber wir sind da überhaupt nicht frei. Wir haben vorgegebene Bildungsstandards, hier wurden vor Jahren Lehrpläne entwickelt. Die von uns erstellten Bildungspläne werden in Deutschland genehmigt. Für die Oberstufe gibt es ganz einheitliche Bildungspläne auf der iberischen Halbinsel, weil wir hier ein regionales, zentrales Abitur machen. Das heißt, hier haben wir null Spielraum. Das muss so erfüllt werden, wie das auf der Kultusministerkonferenz in Deutschland festgelegt wurde. Das stellt für uns so kein Problem dar, weil es Lehrpläne sind, die sich an den üblichen Themen orientieren, wie es sie in allen Bundesländern in Deutschland gibt.  Es gibt also auch nicht das Bundesland, an dem man sich orientiert. Einen gewissen Einfluss hat der Prüfungsbeauftragte, der alle 4 Jahre wechselt, und der auch darüber wacht, dass alle Vorschriften eingehalten werden. Dieser kommt im Durchschnitt alle zwei Jahre an die Schule und nimmt vor allen Dingen den Abschluss ins Visier. Dieser kann natürlich nur gelingen, wenn in den Jahren davor der gymnasiale Bildungsgang erfüllt wurde. Das muss man den Kindern gegenüber verantwortungsvoll machen. Insofern muss beispielsweise bei Seiteneinsteigern, die nur gewisse Fächerkombinationen mitbringen, viel genehmigt werden. Das wird bei den deutschen Bildungsbehörden beantragt. Wir sind zwar sehr selbstständig, was unser Schulleben anbelangt, allerdings sind wir auch fest in Vorgaben eingebunden, die wir erfüllen müssen.

Das Abitur, wird das aus Deutschland geschickt?

In Kommissionen werden die Abituraufgaben  erarbeitet. Die Kommissionen bestehen aus Fachkollegen unterschiedlicher Schulen der Region.  Diese werden von den Schulleitungen ernannt. Gemeinsam erstellt dann dieser Zusammenschluss an Fachkollegen in mehreren Tagen die Abituraufgaben, mit Erwartungshorizonten. Diese werden dann in der Region von einem weiteren Fachgremium geprüft und dann nach Deutschland geschickt. Diese werden dann mit den Bildungsplänen abgestimmt und die entsprechenden Abituraufgaben ausgewählt. Hier wissen wir nicht, welche Aufgaben in Deutschland ausgewählt werden. Das ist das große Geheimnis beim Abitur. Das schreiben wir dann zentral zum gleichen Tageszeitpunkt und zur gleichen Uhrzeit.

Was macht Sie besonders stolz in ihrer Arbeit und was sind Ihre Ziele? Was hat sich seit Ihrer Leitung geändert?

Die meisten Ziele, die ich hatte, als ich hier angetreten bin, habe ich zusammen mit einem wirklich ganz hervorragenden Team erreicht. Das allergrößte Ziel war natürlich die Schule zukunftsfähig zu machen, auch was die Räumlichkeiten anbelangt. Man kann sehen, dass dieses Ziel erreicht ist. Das macht mich sehr stolz, aber auch dankbar, weil ich genau zu dieser Phase an die Schule kam und dieses mit vorantreiben durfte. Die großen Ziele sind erreicht, kleine  Ziele bleiben immer übrig. Eine Schule, die sich ständig entwickelt  – und das tut die Deutsche Schule – sie ist in vielen Bereichen große Schritte vorangekommen.

Nun zum persönlichen Teil. Welche Hürden mussten Sie persönlich auf sich nehmen?

Persönlich musste ich mich daran gewöhnen, dass ich sehr weit weg war von meiner Familie, von meinen Enkelkindern, die in den Jahren geboren wurden. Das war nicht leicht. Mein Mann hatte mich mit nach Valencia begleitet, das war sehr hilfreich und gut. Bei vielen ist es ja das Gleiche – die Entfernung von der Familie und den Freunden – aber man sagt sich dann immer, es ist ein gewollter Schritt, ein geplanter Schritt – man hat ja niemanden gezwungen. Es dauert  seine Zeit, bis man wieder Tritt fasst und Boden unter den Füßen hat.

Wie entspannen Sie sich nach dem Schulalltag? Welche Orte in Valencia gefallen Ihnen besonders gut?

Nachdem ich das Ziel habe gesund zu bleiben und auch gesund in Pension zu gehen, messe ich diesem Ziel in der letzten Zeit etwas mehr Bedeutung zu. Ich achte mehr darauf, dass ich einen Ausgleich bekomme. Ich hatte leider nie die Zeit oder auch die Veranlassung gehabt mir ein Hobby zuzulegen. Dies habe ich in dem Sinne nicht, aber ich lese sehr gerne und dies auch sehr viel. Dies ist für mich nach wie vor eine wunderbare Entspannung, meistens mit einer meiner zwei Katzen auf dem Schoß. Das stellt ein Ambiente für mich dar, in dem  ich mich sehr wohl fühle. Ich wandere auch sehr gerne. Zum einen durch die wunderschöne Landschaft von Valencia,  aber auch im südlichen Teil der Comunidad Valenciana, in den Bergen von Moreira. Aber natürlich mache ich auch mal gerne so gar nichts. Musik hören, geradeaus schauen, mich auf die Terrasse setzen und die Palmen anschauen oder wie ich  manchmal salopp sage,  die Ohren auslüften!

Welche Orte in Valencia gefallen Ihnen besonders gut?

Die Stadt Valencia habe ich vom ersten Moment, an dem ich hier gelandet bin, am 03. Oktober 1997, geliebt. Das war wie ein Déjà-vu, es fühlte sich so an, als wenn ich hierher gehöre. Das war mein erster Eindruck und hat sich über die Zeit hinweg noch weiter vertieft. Ich liebe diese Stadt. Ich finde sie eines der schönsten und lebenswertesten Städte, die ich kenne. Daher habe ich gar keinen speziellen Ort, es ist vielmehr das Gesamtpaket, das mir an der Stadt Valencia gefällt. Wenn ich mich entscheiden müsste, dann schlägt mein Herz ein bisschen tiefer für das alte Valencia, für die alten Gassen und Gebäude, wobei das neue und moderne Valencia von der Architektur äußerst reizvoll ist. Genau diese Spannung zwischen neuem und alten finde ich besonders reizvoll. Valencia bedient ja jeden Wunsch. Man hat das Meer, die Berge, die Stadt und das Land. Diese Stadt stellt für mich einen außergewöhnlichen Platz dar. Ich würde vielen Plätzen unrecht tun, wenn ich sagen würde diese oder jene sind besonders schön. Es ist die Fülle aller Geschichten, die diesen Ort, die Stadt Valencia einzigartig machen. Ich habe viele Städte, auch bereits viel von der Welt gesehen und ich muss sagen, ich bin hier, wo es am schönsten ist. Ich kann viele Valencianer verstehen, die nach Jahren der Abwesenheit wieder nach Valencia zurückkehren. Valencia ist sehr tolerant, weltoffen und auch sehr auf Genuss ausgerichtet, eine  sehr aufgeschlossene Stadt. Leben und leben lassen!

Haben sie ein Lieblingsrestaurant und was ist ihr Lieblingsgericht der spanischen Küche?

Lieblingsrestaurants haben wir natürlich, nur verrate ich diese nicht (lacht). Es gibt natürlich eine unglaubliche Fülle an guten Restaurants und großartigen Lokalen. Wenn ich wirklich eines nenne muss, bei dem ich begeistert war und bin,  ist es das Delikat, gegenüber vom Café da las Horas. Ein junges Küchenteam, das Tapas auf moderne Art weiterentwickelt hat. Tapas haben es mir schon angetan und hier auch gerne die experimentellere Ausfertigung. Genauso liebe ich aber auch die spanische Hausmannskost in einem ganz einfachen Lokal am Stadtrand, wo man einfach lecker essen kann.

Zu meinen Lieblingsgerichten zählen alle guten lokalen Produkte, die auf einfache Art und Weise „a la plancha“ präsentiert werden. Vor allem tut es ja der Figur gut (lacht). Ich liebe die spanische Küche, die mediterrane Kost. Albondigas beispielsweise könnte ich zu jeder Tages- und Nachtzeit essen (lacht) oder auch eine gut zubereitete Sepia ist etwas ganz hervorragendes.

Vermissen Sie etwas aus Deutschland? Wenn ja, was?

Deutschland wird immer meine Heimat sein und ich freue mich immer, wenn ich in Heilbronn bin und auf alten und gewohnten Pfaden wandere, Freunde treffe und mit der Familie zusammen bin… aber wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich in Spanien zu Hause. Heimweh hatte ich nie, aber wenn ich etwas vermisse sind es eigentlich die menschlichen Kontakte. Was das leben, wohnen, essen, trinken und ausgehen angeht, vermisse ich hier null und nada!

Vielen herzlichen Dank an Frau Droste für Ihre offenen Worte. Als „Dirigent“ der DSV wünschen wir Ihr weiterhin noch viel Erfolg!