Leckermaul – Teil 2

Text von Ullrich Fischer

Benicarló: Raúl Resíno

Gesucht und gefunden – Richtung Barcelona, kurz vor dem Ende der Comunidad Valenciana, finde ich in BENICARLO – am Meer gelegen und mit einem Michelin Stern versehen – das Restaurant von RAÚL RESÍNO.

BENICARLO ist etwa 140 km von Valencia und 210 km von Barcelona entfernt. Also reserviere ich zum Mittagsmenü einen Tisch. Nicht ganz leicht zu finden im alten Teil des Ortes. Von außen vermutet man nicht gerade eine „Sterneküche“, aber innen finde ich ein kleines und schönes Restaurant.

Menue Gastronómico 2

Die Erwartungen sind natürlich recht groß. Der Blick in die Menükarte gibt mir einen ersten Eindruck und bestätigt meine Hoffnung: die einzelnen Gerichte der Menüs sind gut beschrieben. Ich entscheide mich für das MENUE GASTRONÓMICO 2.

Meine Beurteilung der Gerichte nach Präsentation, Qualität der Produkte und Geschmack erfolgt mit den Noten 0 (niedrigste) bis 10 (höchste). Gespannt bin ich auch auf den Gruß aus der Küche – und werde überrascht: die ersten vier PICA PICAS kommen alle gleichzeitig:

Caldo de betas y miso con algas wakame – beurteilt mit 8, Mantequilla de anchoas, beurteilt mit 8, Boquerón de la luz con chilli dulce, beurteilt mit 8 und Bisque frio espumoso de Galera, beurteilt mit 9.

Es folgt ein weiterer Küchengruß

Ortiga de mar con romesco – beurteilt mit einer guten 7 .

Erst dann folgen die eigentlichen Vorspeisen. Die drei ersten kleinen Vorspeisen serviert man auf ein und demselben „Teller“.

Canut del delta del Ebro albardada en daikon encurtido – beurteilt mit einer guten 7+, Salpicón de pulpo con all i olio de tomate picante – beurteilt mit einer wohlwollenden 7, Brandada de Congrio – beurteilt mit einer überzeugten 9.

Auch die nächste Vorspeise überzeugt.

Caballa marinada con licuado de almendra marcona de Albocásser – gerne beurteilt mit einer 8+.

Dann serviert man mir eine Vorspeise, die man besser weggelassen hätte. Hier überzeugt nichts – weder die Präsentation, noch das Produkt, noch der Geschmack.

Torrezno de canana encebollado – mit einer mühsamen, heißt wohlwollenden 4 beurteilt. Der Service hat nicht übersehen, dass mich dieses Gericht enttäuschte – aber wir lassen uns ja nicht entmutigen.

Der Name des nächsten Gerichts weckt bei mir keine konkrete Vorstellung davon, um welches Produkt es sich handeln könnte.

Man serviert mir: Caixeta preparada al limon. Die Präsentation ist sehr ansprechend, der Geschmack folgt dem aber nicht so ganz. Daher beurteile ich das Gericht mit einer großzügigen 6. Nun bin ich gespannt auf die Hauptgerichte. Ich habe der Menükarte entnommen, dass ich diesmal quasi „fleischlos“ essen werde – also mit Fisch und Krustentieren (natürlich ist das auch nicht ganz „fleischlos“, aber für spanische Verhältnisse eben doch.

Crema de cigalitas de Sant Carles de la Rapita infusionada con lemon-gras y boulgur marina.

Regionale Produkte: ich werde überzeugt und beurteile das Gericht mit einer guten 8.

Weiter geht’s. Das nächste Gericht hört sich für mich wegen der ProduktKombination ein wenig abenteuerlich an. Langostino en salazón con hinojo, jugo marino, huevas de pez volador y Ramallo de mar.

Eine schöne Präsentation, die Qualität der Produkte ist einwandfrei und der Geschmack beeindruckend – ich beurteile das Gericht mit einer guten 7. Nun folgen drei Fischgerichte. Ich befinde mich ja in einer maritimen Umgebung, in der zum Glück noch regional gefischt wird. Das spricht für frische und schmackhafte Fischgerichte.

Los geht es mit: Rancho marinero de peluda con cornetas y salsa marinera de miso.

Der Fisch gewinnt zwar nicht gerade den „Größenwettbewerb“, Zubereitung und Geschmack aber sind sehr zufriedenstellend – deshalb eine 7+.

Dann serviert man mir mit dem Seeteufel einen meiner Favoriten: Rape tibio semi curado en all i pebre blanco.

Die Zubereitung ist dem Fisch angemessen, das Filet wurde sanft und langsam gegart und ist demzufolge nicht trocken, sondern saftig und voller Geschmack (die Butter hat dabei auch geholfen). Ich beurteile dieses Gericht jedenfalls mit einer überzeugten 8+.

Ein weiterer Fisch aus der Region.

Juliola en AOVE con aromas de la Costa Azahar. Auch dieser Fisch ist frisch und sehr geschmackvoll zubereitet und verdient eine 7+.

Nun: – was ist das? Mig Mig de horchata y yuzu. Ich bin kein Freund von HORCHATA. Die gesamte Region Valencia ist „verrückt“ danach – eine Art Nuss, die an einer Bodenpflanze wächst und in der Regel als Getraenk serviert wird – jeder sollte es probieren und sich selbst ein Urteil bilden. Ich lasse mich überraschen.

In dieser Form und Präsentation überzeugt sogar mich HORCHATA – gerne gebe ich eine 7.

Die vielversprechende Beschreibung des nächsten Desserts machte mich sehr hoffnungsvoll und ich kann mir sehr gut die Kombination von Schokolade, regionalen Zitrusfrüchten und Maracuyá vorstellen.

Cremoso de chocolate blanco con mosaico de cítricos locales y maracuyá. Ein Erlebnis. Ich beurteile dieses Dessert mit einer 9. Ich bin ziemlich zufrieden „von Dannen“ gezogen. Die petit fours waren nicht der Rede wert. Nur zwei Dinge noch: Zum Essen konnte ich einen nicht alltäglichen Savignon Blanc aus der Region CARTAGENA genießen – empfohlen als Alternative zum spanischen Albariño. (der aber sicher auch gepasst hätte). Und zum Dessert wurde mir ein bemerkenswerter, perfekt gekühlter Süßwein vom Weingut BODEGAS PRIVILEGIO DEL CONDADO empfohlen – ausgebaut mit dem Aroma von Zitronen. Den Wein gibt es aber auch mit Orangenaroma – mir ist er dann zu süß.

Fazit

Alles in allem: BENICARLO ist nicht weit weg von Valencia und es lohnt sich ein Besuch. Qualität und Frische der Produkte sind einwandfrei. Insgesamt stimmen Textur und Geschmack – harmonisch und produktspezifisch ausbalanciert. Der Service ist bemüht und entspricht einem kleinen Restaurant. Man sollte wissen, dass der Eigentümer und Sternekoch Raul Resino mittags meist nicht selbst in der Küche steht, sondern seiner Küchenbrigade vertraut. Das Restaurant hat die Auszeichnung mit einem Michelin Stern völlig verdient.


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