Einmal Sprachtapas, bitte!

Der Martinssommer naht

Moment mal, Martinssommer …? Der Martinstag ist doch am 11. November, also mitten im Herbst! Ja, aber in Spanien (und anderen Ländern) kommt es um diesen Tag herum zu einem Wetterphänomen, das die Temperaturen noch mal in sommerliche Höhen steigen lässt. Auf Spanisch spricht man vom „veranillo de San Martín“, und auf Valencianisch vom „estiuet de Sant Martí“, also wörtlich vom „kleinen Sankt-Martins-Sommer“, denn „verano“ und „estiu“ ist der Sommer, und die Endungen „-illo“ und „-et“ sind Verkleinerungsformen. Es handelt sich quasi um eine Art zweiten, kurzen Altweibersommer, und „zweiten“ deshalb, weil das erste Sommer-Comeback meist Ende September um den Michaelistag (29. September) herum fällt. Hierzulande heißt der eigentliche Altweibersommer dementsprechend auch „veranillo de San Miguel“ und auf Valencianisch „estiuet de Sant Miquel“.

Die Damenwelt muss den Begriff übrigens nicht als beleidigend empfinden, denn er soll sich von „weiben“ = „weben“ ableiten und auf die Spinnweben beziehen, die zu dieser Zeit in der Natur weit verbreitet sind. Es ist damit also eher ein „Alt-Spinnweb-Sommer“, und genau deshalb wies das Landgericht Darmstadt einst die Klage einer betagten Dame ab, die die Bezeichnung „Altweibersommer“ in den Medien als diskriminierend empfunden hatte.

Martinsssommer

Wenn ihr Sonnenhungrigen euch jetzt fragt „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“, lautet die Antwort: Theoretisch also am 11. November, aber man weiß ja nie … Bekanntlich ist das Wetter sehr launisch. In diesem Jahr war die beliebte Jahreszeit auch außerhalb Spaniens besonders hitzig und lange, doch das muss nichts heißen. Schließlich sagt man auf Deutsch nicht umsonst scherzhaft „Der Sommer ist der schönste Tag im Jahr“. Also genießt den Martinssommer – es ist sicher der letzte Sommer in diesem Jahr!

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