Restaurant “Tasca del Puerto” in el Grau/Castellon

Text von Ullrich Fischer

Leckermaul – Teil 6: Eine wirkliche Überraschung

Diesmal mache ich einen Versuch in einem Restaurant in der zweiten Linie (ohne Terrasse), um das ich immer einen Bogen gemacht habe. Dummerweise – kann ich jetzt nur sagen. Das Restaurant hat den wohltuenden Charme eines traditionellen spanischen Restaurants – klimatisiert, gepflegt und aufgeräumt, ausgestattet mit viel Holzarbeiten, die eine warme Atmosphäre vermitteln. Wie immer bin ich in lieber Begleitung meiner Frau. Ich konzentriere mich derweil auf das Menü und bin schon zum ersten Mal überrascht – wie gut sich das liest.

Es gibt verschiedene, kleinere Speisezimmer mit jeweils 4-8 Tischen (nicht schlecht in Coronazeiten). Wir sind in einem gemütlichen Raum, den wir uns später mit vier weiteren Gästen teilen – recht angenehm.

Das Menü wird uns mündlich erklärt und wir sind gespannt, ob wir alles richtig verstanden haben. Der Service ist freundlich, hilfsbereit und hört zu.

Wie üblich serviert man uns zunächst Brot/pan mit Ajoli und Tomatencreme – die Brotvariationen sind gelungen und Ajoli sowie Tomatencreme sehr schmackhaft.

Es dauert nicht lange und man serviert uns den ersten Teller: Thunfisch mariniert mit Sesam in einer dunklen Sojasauce (für mich vielleicht etwas zuviel Sojageschmack – aber das ist Ansichtssache). Der Thunfisch jedenfalls ist hervorragend mariniert und sehr geschmacksintensiv.

Ich bin ein Freund von Boquerones in allen Variationen – hier serviert mit Tomatenpuree, frittierte Petersilie auf einer sehr intensiven Olivengrundlage: geschmacklich ausgewogen.

Nun gut – eine Paté: Dazu gibt es viele Variationen. Diese Paté ist jedenfalls nicht zu fett und hat einen sehr guten, intensiven Geschmack. Das eingearbeitete Fruchtpuree (Pflaume und Preiselbeere) gibt dem Ganzen eine sehr wohlschmeckende, fruchtig/herbe Note (der Salzzusatz auf der Paté ist überflüssig).

Bis jetzt also sehr zufriedenstellend. Dann kommt der einzige Teller, der mich enttäuscht: Minishrimps. Abgesehen davon, dass die Shrimps selbst zu klein sind, um ihren typischen Geschmack zu vermitteln, werden sie auch in einer viel zu salzigen Marinade serviert. Das hätte nicht sein müssen.

Das nächste Gericht aber macht das alles wieder vergessen: Ortiga de mar (ortiguillas oder anemonia – gehört zur Art der Meeresfrüchte) – in einem leichten, dünnen Teigmantel entwickelt der „Fisch“ sein ganzes Aroma.

Was erwartet uns bei einem Bacalao? Die perfekt gegarten Bacalaostücke sind ummantelt mit einem zarten Teig, der nichts von dem Fischgeschmack wegnimmt. Die Verbindung mit dem schwarzem Knoblauch und der leichten Honignote ergibt ein wunderbar harmonisches Mundgefühl.

Pulpoarme auf Kartoffelpüree mit Camino: Nicht Jedermanns Sache. Ich habe es genossen. Die Pulpoarme sehr kross gegart und auf einem gelungenen Kartoffelpüree.

Auch sehr speziell: Seeigel. Das Gericht wird nicht sehr oft serviert. Ich bin geradezu begeistert von einem so perfekt gegarten und servierten Seeigel.

Und dann zum Abschluss – zweimal Dessert. Hier eine Panacotta, einmal anders serviert – sehr schmackhaft mit einem angenehm leichten Vanille- und Karamelgeschmack und abgerundet mit karamelisierten kleinen Nusssplittern.

Das zweite Dessert: ein Mandel/Schokoladenküchlein mit einem Überzug aus einer nicht zu kräftigen dunklen Schokocreme und getoppt mit Macadamia-Nusssplittern.

Fazit: Ich empfehle das Restaurant sehr gerne, weil es hier gelungen ist, in der Küche Tradition mit Moderne zu kombinieren. Der Service ist sehr freundlich und professionell. Eine gute Adresse. Hier geht’s zur Webseite: https://tascadelpuerto.com