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Valencia ist Grüne Hauptstadt Europas 2024

Seit gut einem halben Jahr trägt Valencia den Titel Umwelthauptstadt Europas. Was
eine Auszeichnung für vergangene Errungenschaften und ein Spiegelbild der Gegenwart
ist, soll auch Ansporn für die Zukunft sein. Denn ambitioniertes Ziel ist es, binnen sechs
Jahren komplett klimaneutral zu sein.

von Dominik Brütting

Im Jahr 2006 wurde bei einer Tagung das Konzept zum Titel „Grüne Hauptstadt Europas“
vorgestellt, das vom ehemaligen Bürgermeister der estländischen Hauptstadt Tallinn,
Jüri Ratas, und mehreren europäischen Städten mit grüner Vision gemeinsam initiiert wurde. Idee war es, dass Städte in einen konstruktiven Wettbewerb um den Titel treten und sich so gegenseitig zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz anspornen. Premierte Städte sollen so als Vorbild dienen und bewährte Methoden nachhaltig gestärkt werden.

Um sich für diesen Titel zu bewerben, müssen interessierte Städte eine Einwohnerzahl von 100.000 aufweisen. Zudem muss man in einem der 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union – Bewerberländer zum Beitritt in die EU und Ländern im Europäischen Wirtschaftsraum eingeschlossen – liegen. Bei der Vergabe bewertet werden unter anderem Maßnahmen zum Schutz der Natur, biologische Vielfalt, der Verkehr, die Luft- und Wasserqualität, vorhandene Initiativen zur Bekämpfung des Klimawandels oder auch die Abfallerzeugung und -bewirtschaftung. Ausgezeichnete Städte beziehen ihre Bürger in den Wandel ein, entwickeln mutige Projekte und steigern so die Lebensqualität ihrer Bewohner. Sie sind Standort innovativer Unternehmen und Vorreiter einer nachhaltigen Städteentwicklung.

Weg hin zur Grünen Hauptstadt Europas

Die Stadt Valencia verfolgt seit langem ehrgeizige Ziele, um ihren Status als eine der grünen Vorzeigestädte Europas voranzutreiben und zu untermauern. Vorrangig wurde von der Jury bei der Vergabe des Titels „Grüne Hauptstadt Europas 2024“ an die Hafenstadt am Mittelmeer aufgeführt, dass hier Errungenschaften auf dem Gebiet des nachhaltigen Tourismus, der Klimaneutralität sowie des fairen und inklusiven Wandels erzielt wurden. Des Weiteren wurde benannt, dass 97% der Einwohner binnen 300 Meter zu städtischen Grünflächen leben, man sich um eine verbesserte Luftqualität kümmere und auch eine gesündere, nachhaltige und regionale Lebensmittelproduktion fördere.

Nicht wenige glauben, dass der Beginn dieser Entwicklung bereits in den 1980er-Jahren ihren Anfang nahm. Nach der großen Flut von 1957, die mindestens 81 Opfer forderte, wurde der Rio Turia südlich durch ein künstliches Flussbett umgeleitet und der ursprüngliche Flusslauf trockengelegt. Was kurzeitig als Stadtautobahn geplant war, ist heute eindrucksvolles Wahrzeichen und grüne Lebensader der Metropole.

Grüne Lunge und Mobilitätswende

Der Jardín de Turia, der Garten des Turia, schlängelt sich über eine Länge von neun Kilometern vom Zoo Bioparc im Nordwestern bis in den südöstlichen Teil der Stadt, wo die Parkanlage in die Ciudad de las Artes y de las Ciencias übergeht. Die grüne Lunge Valencias ist für die Bevölkerung komplett zugänglich, verbindet über Brücken und Übergänge Stadtteile und begeistert durch eine Vielzahl unterschiedlicher Pflanzenarten sowie biologischer Vielfalt. Zahlreiche Vereine bieten dort eine breite Auswahl an Sportangeboten, es gibt Wege für Radfahrer, Spaziergänger und Jogger, Spielplätze, Cafeterias, einen Skaterpark und Minigolfplatz, Bereiche für Kindergeburtstage sowie Flächen für kulturelle Großevents.

Darüber hinaus bemüht man sich auch, die Mobilitätswende voranzutreiben. Weit über 160 Kilometer Fahrradwege führen durch und um Valencia herum. Weite Teile des Zentrums sind bereits für den Autoverkehr gesperrt, sodass dort auf klimaneutrale Verkehrsmittel gesetzt wird. Dort, wo gefahren werden darf, herrscht um den Stadtkern herum ein Tempolimit von 30 km/h. Eben solche Maßnahmen dürften entscheidend zur Verleihung des Titels beigetragen haben.

Regionale Produktionen und Naturschutzgebiete

Umschlossen wird die Stadt von der huerta, den Gemüse- und Anbaufeldern der Metropole. Eine nachhaltige und regionale Produktion sowie eine gesunde Ernährung ist ebenfalls fester Bestandteil der Idee, Stück für Stück klimaneutraler zu werden. Südlich von Valencia liegt zudem die Albufera, Naturpark mit Süßwassersee und seit dem 18. Jahrhundert Herzstück für den regionalen Reisanbau für das valencianische Nationalgericht, die Paella. Dieses Gebiet weist eine breite Fülle an Flora und Fauna auf, bietet einen Rückzugs-, Schutz- und Nahrungsort für Vögel und weitere Tierarten, und ist von großer ökologischer Bedeutung.

An den Küsten und den kilometerlangen Sandstränden kümmern sich Organisationen um den Schutz gefährdeter Arten, es gibt Projekte zur Reinigung der Areale und des Meeres und allen voran wird Aufklärungsarbeit geleistet. Das mediterrane Klima, rund 300 Sonnentage im Jahr und die Lage am Mittelmeer machen Valencia für Bewohner wie Urlauber zu einer Stadt, die sich durch eine besonders hohe Lebensqualität auszeichnet.

Titel ist Ansporn für die Zukunft

Natürlich stehen auch in Valencia Ereignisse konträr zu diesen umfangreichen und nachhaltigen Projekten. Der geplante Ausbau des Hafengebietes beispielsweise, würde zu einem gesteigerten Ausstoß von CO2 führen und ein höheres Aufkommen von Schiffen die Verschmutzung des Meeres fortschreiten lassen. Aber auch hier, wie in allen anderen Großstädten, steht immer die Frage im Raum, wie viel man bereit ist für den Schutz der Umwelt zu investieren. Denn eines ist klar, ambitionierte Ziele können nur erreicht werden, wenn die getroffenen Entscheidung von der Bevölkerung mitgetragen und akzeptiert werden.

Valencia ist Vorbild für viele Städte Europas. Man setzt Maßstäbe und scheut sich nicht, ambitionierte Ziele für die Zukunft zu formulieren. Hier will man den Herausforderungen von Morgen mit innovativen und mutigen Projekten begegnen und sieht in der Auszeichnung einen Ansporn für das was heute noch in der Ferne liegt.

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