Auf den Hund gekommen – Teil 2

Text von Andrea Keller

In diesem Artikel geht es darum, was man beachten sollte, um die Eingewöhnungsphase für Mensch und Tier zu erleichtern.

Zunächst einmal finde ich es schon irgendwie komisch, dass der Mensch immer mehr Ratschläge in jederlei Hinsicht für alltägliche Dinge des Lebens benötigt. Die Gesellschaft hat sich sehr verändert. Wir sind unselbstständiger geworden und suchen für alles Hilfestellungen.

Auch bei der Hundeerziehung, wobei der Hund seit 15.000 Jahren an der Seite des Menschen lebt, zeigt sich nun ein extremer Wandel. Nicht die Hunde haben sich verändert…vielmehr die Menschen in ihrem natürlichen Umgang mit ihren Tieren.

Somit bleibt es nicht aus, dass eine Vielzahl von Expertenmeinungen die Hundehalter quasi erschlagen. Die unterschiedlichsten Trainingsmethoden prasseln auf sie ein. Eine Verunsicherung ohne ihres Gleichen ist das Ergebnis. Eine Unsicherheit, die sich wiederum auf das Tier niederschlägt. Denn immer wieder „Neues“ an dem Tier auszuprobieren und somit die Bindung noch mehr zu schwächen, kann nicht zielführend und im Sinne des Trainers sein.

Wir sollten ein bisschen mehr auf unser Bauchgefühl hören und den Hund als eigenständiges Individuum wahrnehmen. Sich den Bedürfnissen vom Hund bewusst werden und die genetischen Eigenschaften beachten. Das sind Grundvoraussetzungen in einer gesunden Mensch-Hundebeziehung. Darum ist es so wichtig, sich im Vorfeld Gedanken zu machen:

Was kann ich dem Hund bieten? Passen die Rassenmerkmale zu meinem Leben? Sind die Rahmenbedingungen vorhanden? Passt ein Hund zu meinen Lebensumständen? Was ist, wenn ich krank werde oder verreisen möchte?

Dies sind nur ein Teil der Fragen, die ich mir selber stellen sollte, bevor ich mir einen Hund anschaffe.

Sind alle wichtigen Dinge geklärt, kommt der Tag X und der Hund zieht ein. So wie für uns, ist es auch für den Hund. Alles neu und erst einmal komisch und fremd. Ruhe und Geduld ist gerade am Anfang sehr wichtig. Auch wenn man am liebsten der ganzen Welt sein neues Familienmitglied vorstellen möchte. Bitte wartet damit. Versetzt euch in die Lage des Hundes. Er ist plötzlich an einem fremden Ort, umgeben von fremden Menschen.

Habt Geduld und fordert nicht gleich zu viel. Er muss erst mal ankommen und das ist bei jedem Hund unterschiedlich. Wenn er eure Nähe sucht, dann bitte gebt sie ihm auch. Es ist sowieso ratsam sich die erste, oder noch besser, die ersten 2 Wochen Urlaub zu nehmen. Somit habt ihr Zeit, um euch aneinander zu gewöhnen. Rituale und gefestigte Strukturen helfen ihm sehr, seinen Platz in der Familie schnell zu finden.

Bitte nicht gleich überfordern und überall mit hinschleppen. Alles hat seine Zeit und am besten erst dann, wenn er eine Bindung zu euch aufgebaut hat. Dann kleinschrittig Neues in sein Leben einbauen.

Wenn ihr merkt, dass er Angst hat, gebt ihm bitte Zeit und belohnt das gute Verhalten. Wie ihr das am Besten machen könnt, erkläre ich unter anderem in folgendem Artikel “Auf den Hund gekommen – Teil 3.

Mehr zu Andrea Keller und zur Keller Dog Academy erfahrt ihr in unserem exklusiven Interview.

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