Auf den Hund gekommen – Teil 6

Text von Andrea Keller

Mein Hund wurde vor einigen Wochen von einem anderen Vierbeiner gebissen. Daher möchte ich aus gegebenem Anlass auf das aggressive Verhalten anderer Hunde eingehen. Ein solches Verhalten hat immer (s)einen Ursprung bzw. (s)eine Ursache. Darauf möchte ich in meinem heutigen Beitrag näher eingehen.

1. Schmerzen

Hat der Hund Schmerzen (ob chronisch oder akute Schmerzen) reagiert er sensibler und empfindlicher als sonst. Er ist schneller gereizt und das kann aggressives Verhalten auslösen. Bei Anzeichen von Nervosität, Hecheln, schwitzigen Pfoten, Unruhe, Appetitlosigkeit oder übermäßig viel Durst / Schlaf, gekrümmtes Sitzen oder Laufen und weiteren auffälligen Dingen, bitte den Gesundheitszustand mit in Betracht ziehen und evtl. einen Tierarzt aufsuchen.

2. Stress

Leider verkennen wir Menschen zu oft, dass der Stressfaktor im Vorfeld bei unseren Fellnasen genauso eine Rolle spielt. Damit ist z.B ein Umzug, viel Besuch im Haus, neue Familienmitglieder (ob Tier oder Mensch), zu viele oder falsche Aktivitäten (z.B Ball oder Jagd / Hetzspiele) oder zu wenig Ruhepausen gemeint. All diese Situationen können den Stressfaktor unserer Hunde erhöhen, welches ein Grund für aggressives Verhalten sein kann oder dieses erhöhen kann.

3. Adäquate Auslastung

Jeder Hund hat seine ganz eigenen Bedürfnisse. Je besser ich diese erfülle und darauf eingehe, desto besser. Natürlich ist es nicht immer leicht. Allein, dass der Hundehalter sich im Vorfeld Gedanken um die oftmals rassespezifischen Bedürfnisse macht, und nicht erst, nachdem das Tier eingezogen ist, verhindert oft böse und unerwartete Überraschungen. Einem Jagdhund das Jagen abzutrainieren ist so absurd, wie einen Herdenschutzhund in einer 2- Zimmerwohnung mitten in der Großstadt zu halten. Die Eigenschaften sind gezüchtet und liegen in den Genen. Daher plädiere ich an den Menschenverstand, sich genauestens zu informieren, welche Rasseeigenschaften zu dem jeweiligen Lebensstil passt. Ansonsten ist Über- oder Unterforderung die Folge, was wieder Frust auf beiden Seiten hervorbringt und das aggressive Verhalten erhöhen kann.

4. Positives Hundetraining / Erziehung

Positives Hundetraining und Erziehung fängt bei der Achtsamkeit an und zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben des Hundes sowie des Besitzers. Wer sich als Hundhalter empathisch auf das Wesen einstellt und sich selbst reflektieren kann, hat im Grunde die besten Voraussetzungen für ein unkompliziertes, schönes und angenehmes Miteinander. Der Hund kann nur so handeln, wie wir es ihm ermöglichen, zeigen oder zulassen. Erst wenn wir unser Tun hinterfragen und reflektieren, gelangen wir auf einen gemeinsamen, harmonischen Weg. Durch falsche Trainingsmethoden (aversiv) gelangt unsere Bindung zum Tier immer mehr in Schieflage – das ist das Letzte, was man im Grunde erreichen möchte. Durch Strafen und Erschrecken erreicht man genau das Gegenteil von dem, was man gern möchte. Der Hund wird nicht viel lernen und lediglich dem Menschen weniger vertrauen und aus Furcht vor Schmerz diesem folgen.

Dass es anders funktioniert ist wissenschaftlich belegt und jeder kann damit sofort beginnen, ohne etwas zu zerstören. Für Fragen bin ich jederzeit erreichbar. Eure Andrea Keller


Mehr zu Andrea Keller und zur Keller Dog Academy erfahrt ihr in unserem exklusiven Interview.

WEITERLESEN