Homestory Dorothee Fischer – zwischen Arbeitsalltag und Großfamilie

  1. Wann bist du nach Valencia gekommen und warum?

Ich bin im April 2008 nach Valencia gezogen – also dieses Jahr vor genau 10 Jahren! Ich hatte vorher in Strasbourg (Frankreich) gelebt und bin einem interessanten Jobangebot gefolgt. Ich habe damals für ein EU-Programm im Bereich Regionalentwicklung gearbeitet, welches in Valencia sein Sekretariat hatte.

  1. Was hat dich hier gehalten?

Ganz klar: meine Kinder (die alle drei hier geboren sind!), aber auch die hohe Lebensqualität: schönes Wetter, Strand und Berge, gut international angebunden und die drittgrößte Stadt Spaniens.

  1. Was ist dein Lieblingsviertel in Valencia? Was macht es für dich aus?

In den letzten Jahren habe ich immer in Ruzafa gelebt: für mich ist es das multikulturellste und künstlerischste Viertel der Stadt. Es befindet sich in Laufnähe zur Innenstadt und mit dem Fahrrad ist man in 20 Minuten am Strand oder in 10 Minuten im Turia. Perfekte Lage zwischen Kaffeekultur, lokalem Marktplatz und Designerläden. Und durch die Schule/Kita bzw. über meine Projekte kenne ich mittlerweile das halbe Viertel persönlich! Also ein bisschen Kiez/Dorfkultur im Großstadtdschungel!

  1. Dein persönlicher Valencia Tipp?

Mein aktueller Geheimtipp ist das Moli Lab: ein kreativer co-working space mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit inmitten des Gemüsegartens rund um Valencia. Tolle Mischung! http://www.elmolilab.com/

  1. Du arbeitest selbständig, würdest du mir deinen Job kurz beschreiben?

Ich arbeite als Kommunikationsexpertin hauptsächlich in internationalen Projekten oder für internationale Organisationen wie die EU oder den Europarat. Die digitalen Medien machen es möglich, dass ich von Valencia aus “für die Welt” tätig sein kann. Und ich kümmere mich dabei um verschiedene Inhalte und entscheide, in welchem Format sie am ehesten ihre Zielgruppe erreichen – von Videos, bis hin zu sozialen Medien, Broschüren oder Events.

  1. Außerdem bist du Mutter von 3 Kindern (plus ein Stiefkind). Wie bekommst du das hier unter einen Hut, wo die Familie ja weit weg ist? Hast du ein gutes Netzwerk?

Die Flexibilität ist das A und O. Nach der Geburt meiner zweiten Tochter habe ich gemerkt, wie eingezwängt ich mich durch das Angestelltendasein fühlte. Arztbesuche oder Schulaufführungen der Kinder waren immer eine organisatorische Herausforderung. Jetzt baue ich meine Arbeitszeit um die Bedürfnisse der Kinder rum: ich kann sie um 16.30 Uhr von der Schule abholen und mit anderen Eltern Kaffee trinken gehen, auch wenn ich ab und zu nochmal spät abends einen Text fertig schreiben oder Emails beantworten muss. Mein Mann ist auch selbstständig und wir fungieren als Team, vor allem, wenn ich ca. 1 – 2 Mal im Monat zu meinen Kunden oder Projekten reisen muss. Ich liebe diese “Zeit für mich”, z.B. im Flugzeug ein Buch lesen, im Hotel in Ruhe baden, schön Essen gehen. Insgesamt habe ich so eine ganz gute Work-Life-Balance.bty

  1. Würdest du Valencia als kinderfreundlich bezeichnen?

Ich würde sagen ja. Die Stadt hat eine hohe Lebensqualität und man verliert kaum Zeit mit Transportwegen wie in anderen großen Städten. Wir sind fast nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Schön finde ich es auch, dass Kinder sogar noch zur späten Stunde – besonders im Sommer und am Wochenende – überall willkommen sind. Wir brauchen in letzter Zeit nur selten einen Babysitter und haben trotzdem ein aktives Sozialleben.

  1. Wie erlebst du die Erziehung/Bildung in dem Colegio, in das deine Kinder gehen?

Wir haben uns für eine kleine Schule im Barrio entschieden, in der der bekannte valencianische Künstler Sorolla studiert hat. Hier wird viel Wert auf Kunsterziehung gelegt und da es nur eine Klasse pro Altersstufe gibt, kennen wir die anderen Eltern und Lehrer sehr gut. Komisch ist manchmal noch der Gedanke, dass meine Kinder von 3 bis zum Abitur auf der gleichen Schule sind und manchmal frage ich mich, ob es vielleicht auch zu langweilig für sie ist, immer die gleichen Gesichter zu sehen. Aber über mögliche Schulwechsel können wir in Zukunft immer noch nachdenken. Und Deutsch können sie leider auf dieser Schule nicht lernen, so dass wir viel Zeit und Kraft in die regelmäßigen Reisen nach Deutschland investieren. Vielleicht wäre ein Schüleraustausch in dieser Richtung irgendwann mal eine tolle Ergänzung.

  1. Dein Mann hat auch sein eigenes Business. Eine Art Gastronomieclub, die es so sonst nicht gibt in Valencia, oder?

Ja, mein Mann ist Koch und hat eine Cateringfirma. Hauptsächlich macht er Cateringangebote für Filmproduktionen oder Events. Aber in unserer Freizeit betreiben wir zusammen einen kleinen Gastronomieclub in unserer Wohnküche: 10 – 12 Personen finden hier Platz und können Oliver beim Kochen über die Schulter schauen. Wir bieten ein 7—Gänge-Menu mit frischen, lokalen Produkten und begleitet von köstlichen Weinen aus Valencia und Chile an (dem Ursprungsland meines Mannes). Diese Events machen uns sehr viel Spaß: wir lernen ständig neue Leute kennen und mein Mann hat einen Showroom für neue Rezepte. http://salsaverde.es/

Vielen Dank, Doro! Wir freuen uns schon jetzt auf den nächsten lustigen und äußerst leckeren Abend in eurem Gastronomieclub!

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