Lerntherapie für Kinder in Valencia – Teil 2

Welche positiven Entwicklungen kannst du bei Kindern oft schon nach kurzer Zeit beobachten und wie trägt deine Methodik dazu bei, ihr Selbstbewusstsein zu stärken?

Ein wichtiger Teil meiner Lerntherapie ist, dass ich einen Raum schaffe, in dem Kinder einfach so sein dürfen, wie sie sind. Mir ist eine sehr wertschätzende und positive Atmosphäre wichtig, denn das ist überhaupt erst die Grundlage dafür, dass Lernen gut gelingen kann.

Viele Kinder kommen mit dem Gefühl zu mir, dass sie beim Lernen ständig scheitern. In der Lerntherapie erleben sie oft zum ersten Mal, dass Lernen auch anders sein kann, spielerisch, handelnd und in einem Tempo, das zu ihnen passt. Die Aufgaben sind so gestaltet, dass sie sich kompetent fühlen können. Mir ist es wichtig, zuerst die Stärken eines Kindes sichtbar zu machen und nicht die Defizite in den Mittelpunkt zu stellen. Dadurch entsteht oft schon nach kurzer Zeit eine deutlich positivere Grundhaltung zum Lernen.

Viele Kinder kommen deshalb gerne zur Lerntherapie und erleben dort auch wieder Freude am Lernen. Auch wenn sich dieser Blick auf das Lernen im Schulalltag nicht immer sofort vollständig überträgt, merken die Kinder doch, dass es eine andere Perspektive gibt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Selbstwirksamkeit. Ich arbeite viel damit, dass Kinder lernen, über ihr eigenes Lernen nachzudenken und sich selbst besser einzuschätzen. Selbstbewusstsein bedeutet ja im Grunde, sich seiner selbst bewusst zu sein, also zu wissen, was man schon kann, wo Schwierigkeiten liegen und was man braucht, um weiterzukommen.

Häufig beobachte ich, dass sich diese Haltung relativ schnell verändert. Aus einem „Ich kann das sowieso nicht“ wird nach und nach eher ein „Ich habe da noch Schwierigkeiten, aber ich kann daran arbeiten“.

Natürlich zeigen sich mit der Zeit auch Fortschritte in den konkreten Förderbereichen, zum Beispiel beim Lesen, Schreiben oder Rechnen. Wichtig ist mir dabei, die Schritte bewusst klein zu halten und realistische Ziele zu setzen. Es geht nicht darum, aus einem Kind sofort einen Matheprofi zu machen, sondern darum, Lernwege so zu gestalten, dass sie für das Kind machbar sind. Gerade diese kleinen, erreichbaren Schritte sorgen dafür, dass Kinder wieder Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten entwickeln.

Wie integrierst du spielerische und motivierende Elemente in deine Förderung, um Kindern wieder Freude am Lernen zu vermitteln?

In meiner Arbeit versuche ich so viel wie möglich spielerisch zu arbeiten und möglichst wenig mit klassischen Arbeitsblättern. Ganz vermeiden lässt sich das nicht immer, aber grundsätzlich ist es mein Ziel, Lernen lebendig und aktiv zu gestalten. Wenn Lernen spielerisch stattfindet, verändert sich automatisch auch die Motivation der Kinder. Der Fokus liegt dann nicht mehr darauf, ein Arbeitsblatt „abarbeiten zu müssen“, sondern darauf, gemeinsam etwas zu entdecken und auszuprobieren.

Das Spiel ist für Kinder eine der natürlichsten Formen des Lernens. Wenn Lernen mit positiven Gefühlen verbunden ist, können Inhalte oft viel nachhaltiger abgespeichert werden. Ganz anders als in Situationen, in denen Lernen eher mit Druck oder unangenehmen Erfahrungen verknüpft ist.

Auch die Sprache spielt dabei eine Rolle. Ich versuche zum Beispiel bewusst, das Wort „Fehler“ möglichst zu vermeiden und spreche stattdessen von „Stolpersteinen“. Das verändert oft schon die Haltung der Kinder. Ein Stolperstein bedeutet nicht, dass etwas falsch oder schlecht ist,  sondern einfach, dass wir an dieser Stelle noch einmal gemeinsam hinschauen und weiter üben.

Deshalb beginne ich viele Stunden mit einem kleinen Spiel als Warm-up. Dabei achte ich darauf, dass das Spiel auch zu den jeweiligen Förderbereichen passt. Manchmal geht es dabei zum Beispiel um auditive oder visuelle Wahrnehmung, um das schnelle Erkennen von Buchstaben, Wörtern oder Mengen oder auch um Aufmerksamkeit, Konzentration und Reaktionsfähigkeit.

Darüber hinaus passe ich viele Spiele an oder entwickle eigene Varianten, damit sie zu den aktuellen Lernzielen passen. Das erfordert oft auch eine Portion Kreativität und die Bereitschaft, Dinge neu zu denken. So entstehen Lernsituationen, die Kindern Spaß machen und gleichzeitig gezielt wichtige Fähigkeiten fördern.

Was unterscheidet deine Lerntherapie von herkömmlicher Nachhilfe?

Der grundlegende Unterschied liegt darin, dass sich klassische Nachhilfe meist stark am aktuellen Schulstoff orientiert. Dort geht es vor allem darum, Inhalte aus dem Unterricht noch einmal zu erklären oder Wissenslücken zu schließen, damit Kinder im Unterricht besser mitkommen.

In der Lerntherapie arbeite ich anders. Zu Beginn steht immer eine Lernstandsanalyse. Dabei schaue ich mir genau an, wo das Kind steht, was bereits gut gelingt und an welchen Stellen grundlegende Schwierigkeiten liegen. Auf dieser Grundlage beginnen wir oft damit, die Basisfähigkeiten wieder stabil aufzubauen, also das Fundament, auf dem weiteres Lernen überhaupt erst möglich wird.

Während es in der Nachhilfe vor allem um schulische Inhalte geht, arbeite ich in der Lerntherapie ganzheitlicher. Dafür braucht es nicht nur Wissen über den Schulstoff, sondern auch über Lernprozesse, die Entwicklung von Kindern und mögliche Ursachen von Lernschwierigkeiten. Viele Kinder, die zu mir kommen, haben komplexere Herausforderungen, zum Beispiel ausgeprägte Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen, emotionale Belastungen oder besondere Lernvoraussetzungen.

Deshalb gibt es in der Lerntherapie selten eine einfache Standardlösung. Die Förderung wird immer individuell auf das Kind abgestimmt und berücksichtigt verschiedene Aspekte seiner Entwicklung.

Viele Eltern, die zu mir kommen, sind sehr engagiert und möchten ihr Kind bestmöglich unterstützen. Gleichzeitig erlebe ich oft, dass sie an ihre Grenzen geraten. Gerade das häusliche Üben kann schnell zu einer Belastung werden, sowohl für die Eltern als auch für die Beziehung zum Kind. Wenn Lernschwierigkeiten über das Übliche hinausgehen, entstehen zu Hause häufig Frust, Druck oder Konflikte.

In solchen Situationen kann Lerntherapie eine große Entlastung sein. Die Förderung findet in einem neutralen Rahmen statt, und Eltern bekommen gleichzeitig Unterstützung und Orientierung, wie sie ihr Kind begleiten können, ohne dass das Lernen dauerhaft zum Konfliktthema im Familienalltag wird.

Was hat dich persönlich dazu inspiriert, Lerntherapeutin zu werden, und welche Werte prägen deine tägliche Arbeit mit Kindern?

Schon früh war für mich klar, dass ich mit Kindern arbeiten möchte. Nach dem Abitur habe ich mich deshalb bewusst für einen pädagogischen Weg entschieden. Im Laufe der Jahre habe ich in verschiedenen Bereichen gearbeitet, unter anderem in der sozialpädagogischen Familienhilfe, in der Bildungs- und Familienarbeit sowie in der Erwachsenenbildung. Ein großer Teil meiner Arbeit fand auch im interkulturellen Kontext statt.

Meine Arbeit habe ich immer mit viel Herz, Engagement und auch einer gewissen Portion Idealismus verfolgt. Gleichzeitig habe ich in vielen Bereichen der sozialen Arbeit erlebt, dass Fortschritte oft nur schwer sichtbar werden. Das hat mich irgendwann dazu gebracht, mich noch einmal neu zu orientieren und intensiver mit Lernprozessen zu beschäftigen.

Über verschiedene Weiterbildungen und Workshops bin ich schließlich zur Lerntherapie gekommen und habe schnell gemerkt, wie sehr mich dieser Bereich begeistert. Kinder sind schließlich unsere Zukunft. Sie gestalten die Gesellschaft von morgen. Umso wichtiger ist es mir, nicht nur auf Schwierigkeiten zu schauen, sondern auf die Stärken der Kinder und darauf, was sie entwickeln können.

In der Lerntherapie kann ich Kinder dabei begleiten und Fortschritte gemeinsam mit ihnen sichtbar machen. Besonders berührend sind für mich die Momente, in denen ein Kind merkt: „Ich kann das.“ Diese Erfahrungen stärken Kinder oft weit über das Lernen hinaus.

Auch wenn Lernschwierigkeiten wie Legasthenie oder Dyskalkulie meist ein Leben lang eine Rolle spielen, können Kinder lernen, damit umzugehen und ihren eigenen Weg zu finden. Wenn ich dazu beitragen kann, dass ein Kind mehr Vertrauen in sich selbst entwickelt und gestärkt weitergeht, ist das für mich eine sehr sinnvolle und schöne Aufgabe.

Meine Arbeit wird dabei von einigen grundlegenden Werten getragen: Mir ist es wichtig, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, ihnen Vertrauen und Empathie entgegenzubringen und ihnen mit echtem Interesse zu begegnen. Und vor allem ist mir wichtig, meine Arbeit mit Herz zu machen.

Gibt es besondere Erfahrungen oder berührende Momente aus deiner Tätigkeit?

Solche Momente gibt es tatsächlich immer wieder. Besonders berührend ist es für mich, wenn Kinder ihr eigenes Bild von sich selbst verändern. Viele kommen am Anfang mit Sätzen wie: „Ich bin dumm“ oder „Ich kann das sowieso nicht.“ Wenn sich das im Laufe der Zeit verändert und ein Kind plötzlich merkt: „Ich kann das doch“ oder „Ich schaffe das“, dann sind das sehr besondere Momente.

Auch kleine Situationen im Alltag der Lerntherapie können sehr viel aussagen. Manchmal arbeiten wir eine Stunde intensiv zusammen und am Ende sagen die Kinder überrascht: „Was, wir sind schon fertig? Das ging ja total schnell.“ Das zeigt mir, dass sie in dieser Zeit wirklich im Tun waren und Lernen für einen Moment leicht und selbstverständlich geworden ist.

Sehr berührend finde ich auch, wenn Kinder anfangen, ein Fach wieder für sich zu entdecken. Wenn ein Kind, das große Schwierigkeiten im Rechnen hatte, plötzlich sagt, dass Mathe inzwischen sein Lieblingsfach ist. Oder wenn Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwierigkeit trotzdem anfangen, Freude am Lesen oder am Schreiben von Geschichten zu entwickeln.

Solche Momente zeigen mir immer wieder, dass es nicht nur um schulische Leistungen geht. Es geht darum, dass Kinder den Mut behalten, sich Herausforderungen zu stellen, an sich zu glauben und ihren eigenen Weg zu finden. Genau das macht meine Arbeit für mich so wertvoll.

Maxi Aissat

Lern&Praxis Lerntherapie

Online & Offline

Mail: lernpraxisonline@gmail.com

Insta: lernpraxis.welt Website: https://maxi-aissat.com/


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