“Videoconsultas”

Text von Maria Krsteska

“Mama, wann sehen wir mal wieder Anne?”, fragt mich mein 4-jähriger kerngesunder Sohn? Diese Frage stellte mir mein Sohn genau vor einer Woche. Anne ist die Kinderärztin meines Sohnes und wer mehr über ihre Person erfahren möchte, kann dies in unserem Exklusivinterview nachlesen.

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Ich rief also Anne an und vereinbarte mit ihr einen Termin zur Videoconsulta. Sie fragte die Nummer des Versichertenkärtchens meines Sohnes ab sowie meine E-Mail und Telefonnummer. Einige Minuten vor unserem vereinbarten Termin erhielt ich eine Email sowie eine SMS von ChipCard. Diese beinhaltet eine Link gemeinsam mit einem Benutzercode und einem Passwort.

Vorweg, was ist Chip Card Salud?

ChipCard Salud widmet sich der Entwicklung von Gesundheitsmanagmentsystemen, unter anderem der Videoconsultas. So verwenden beispielsweise die Krankenversicherungen DKV, Adeslas und Sanitas, um einige wenige zu nennen, diese Form der Videoconsultas. Welche der privaten Krankenversicherungen noch dabei sind erfahrt ihr, wenn ihr auf die Webseite von ChipCard geht.

Videoconsulta

Klickt man auf den per SMS oder E-Mail erhaltenen Link und gibt den Benutzer und den Code an, sieht man über seine Kamera, wie es in unserem Fall war, unsere Kinderärztin. Wir besprachen ein paar Dingen wie die Größe, Gewicht, die nächsten Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen. Das lief alles problemlos und mein Sohn war happy, weil er auch nach langer Zeit mal wieder Anne gesehen hatte. Im Nachfolgenden haben wir Anne Bru in einem Kurzinterview ein paar Fragen gestellt, um mehr aus ihrem “neuen” Alltag zu erfahren:

Anne Bru, welche Themen werden bei der Videoconsulta im Allgemeinen angesprochen?

Die Videoconsulta stellt eine weitere Möglichkeit dar, mit Patienten Kontakt aufzunehmen. Seit dem Ausbruch der COVID-19 Pandemie versuchen sowohl Patienten, als auch Mediziner die Ansteckungsgefahr so weit wie möglich gering zu halten. Die Videoconsulta kann in vielen Fällen die Visite in der Praxis ersetzen. Von der Consellería de Sanidad wurde empfohlen, nur die Vorsorgeuntersuchungen bis zum 15. Lebensmonat und die Impfungen beizubehalten. Das bedeutet, dass zum Beispiel eine Jahreskontrolluntersuchung eines Kindes, das 5 Jahre alt  wird, zur Zeit durch eine Videoconsulta ersetzt werden kann. Die Eltern sollten das Kind vor der virtuellen Visite wiegen und messen. Die Daten werden in seine Akte eingetragen und die Perzentilen bestimmt. Sein Impfstatus wird kontrolliert. Die Kinder sind jetzt einigermaßen trainiert per Video mit Oma oder Opa oder mit den Lehrern Kontakt zu haben, so dass sie normalerweise auch einen kurzen Dialog mit dem Kinderarzt akzeptieren. Fragen der Eltern werden geklärt. Diagnosen bei Problemen der Haut oder des Rachens können auch sofort gestellt werden. Kann man es nicht deutlich genug sehen, kann hinterher noch ein Foto per E-mail geschickt werden. Rezepte können ausgestellt und auch per E-mail geschickt werden. Einiges kann leider noch nicht gemacht werden, und zwar abhören oder die Ohren oder den Bauch untersuchen. Bei trockenem Husten oder Fieber ungeklärter Ursache wäre es sowieso eher angebracht in die Notfallaufnahme zu gehen, da man einen Schnelltest auf COVID-19 machen sollte.

Mit welchen Problemen kommen die Leute?

Die häufigsten Probleme sind zum Beispiel Fragen über Insektenstiche, die eine starke allergische Reaktion oder auch sehr oft Hautausschläge auslösen können. Probleme mit dem Stuhlgang sind nicht selten und dazu dann direkt auch Fragen über die Ernährung des Kindes. Halsschmerzen sind auch ein häufiger Anlass, eine Videoconsulta zu nutzen, und wenn das Kind mitmacht und weit den Mund öffnet, handelt es sich ja oft um eine schnelle Blickdiagnose.

Wie wird das abgerechnet?

Bei fast allen Versicherungen besteht zur Zeit die Möglichkeit, online ohne Versichertenkarte abzurechnen. Manchmal erfolgt es über eine SMS der Versicherung an die Handynummer des Patienten oder durch direkte Eingabe der Versichertennummer in unser System.

Welche Vorteile bringt das?

Es erniedrigt vor allem das Risiko, sich gegenseitig anzustecken. Auf der anderen Seite hat es auch viele Vorteile, wie vor allem die Zeitersparnis für den Patienten, weniger Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, weniger Autos auf den Straßen, insgesamt ist es umweltfreundlicher.

Kannst du dir das prinzipiell auch in Zukunft vorstellen?

Im Idealfall würde ich, wenn die Pandemie vorüber ist, gerne das Kind wenigstens einmal im Jahr in der Praxis für eine ausführliche Untersuchung sehen, aber viele Diagnosen bei Hautauschlägen, Insektenstichen, Bindehautentzündungen, Mandelentzündungen, könnten per Videoconsulta medizinisch sachgerecht und patientenfreundlich bleiben.

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei Anne Bru von der Clinica Westfalia bedanken. Zu den Kontakdaten von Anne Bru gelangt ihr über unser Adressverzeichnis.