Homestory: Jasmin Otto – Architektin, aus Liebe und Leidenschaft

Warum hast du dich für ein Leben in Valencia entschieden und seit wann bist du schon da?

Unzählige Urlaube mit meinen Eltern nach Mallorca öffneten mir bereits in jungen Jahren den Kontakt zu Spanien, den Menschen, der Kultur, dem Klima und der Natur. Schlussendlich hat mich dann ein Erasmusprogramm nach Valencia verschlagen, um meinen Wunsch, Spanisch zu lernen zu erfüllen und mein Architekturstudium zu beenden. Nun bin ich schon 13 Jahre glücklich in Valencia.

Wo hast du vorher Architektur studiert? 

Begonnen habe ich mein Studium, das Grundstudium der Architektur, an der HTW in Dresden und über das Erasmusprogramm habe ich dann meinen Abschluss in Valencia gemacht. Spanien steckte zu der Zeit  in der Krise,  was mich aber nicht aufhielt in einem Architekturbüro zu beginnen. Die schlechte Bezahlung zwang mich dazu, als Deutschlehrerin zu arbeiten. Als die Krise sich langsam wieder zurückgezogen hat, habe ich mich Schritt für Schritt wieder in die Architektur gewagt.

Deine Spezialität sind Passivhäuser – Was versteht man darunter? 

Unter Passivhäusern versteht man energieeffiziente Gebäude, dass heißt, sie haben einen ganz geringen Energieverbrauch, sind gut isoliert, komfortabel und haben ein angenehmes Raumklima.

Die Idee der Passivhäuser ist schon vor ganz vielen Jahren entstanden. Bei meiner Ausbildung als Bauzeichnerin in einem großen Architekturbüro in Hamburg habe ich meine Liebe für Passivhäuser entdeckt. Die Idee blieb dann allerdings jahrelang im Hinterstübchen. Aber wie das Leben manchmal so spielt, lernte ich durch einen großen Zufall meinen jetzigen Geschäftspartner kennen, der ebenfalls eine große Leidenschaft für Passivhäuser hegt. So ist auch bei mir diese langjährige Leidenschaft und Idee wieder entfacht und entstanden.

Kann man ein Haus passiv renovieren oder sind es meist Neubauten?

Das Renovieren eines alten Hauses im Stile des Passivhauses  ist durchaus möglich, wobei ein Neuentwurf bedeutend einfacher ist, als etwas Bestehendes neu zu renovieren. Es ist etwas schwierig, aber theoretisch immer möglich.

Wie verbreitet sind Passivhäuser in Spanien? 

Sie sind mehr im Norden oder im Landesinneren verbreitet als im Süden. Die Idee der Passivhäuser kommt ja aus Deutschland, die Klimabedingungen im Norden Spaniens gleichen auch eher denen in Deutschland und daher ist auch der Bau und die Umsetzung von Passivhäusern eher im Norden verbreitet.

Wie sieht die Zukunft der Passivhäuser in Spanien aus? 

Ich denke, das wird stetig ansteigen, auch durch die Gesetze, die dieses Jahr und im Jahr 2020 in Kraft treten, die einen fast dazu zwingen nach diesem Stil, also energetisch effizient, zu bauen.

Auf Facebook (Ein Haus für Kim) kann man deine informativen Videos verfolgen. Was ist „Ein Haus für Kim“ genau?  

Ein Haus für Kim ist eine Plattform, die wir ins Leben gerufen haben, um uns unseren Kunden zu präsentieren und zu zeigen, wer wir sind. Kim ist der Name meiner Tochter. Die Idee zu „Ein Haus für Kim“ ist entstanden, als ich mir Gedanken machte, wie das Haus aussehen sollte, das ich für meine Familie bauen würde. Sobald man Kinder hat, sieht man die Welt mit anderen Augen, auch im Bezug auf Ernährung, nachhaltige Materialien, natürliche Produkte und die Frage, was könnte schädlich sein für das Kind. Ich würde mir wünschen,  dass ich das Haus, das ich für meine Familie bauen würde, auch für andere baue.  Unser Hauptziel ist es, etwas Angenehmes und Komfortables für unsere Mitmenschen zu schaffen.

Welche Bauwerke, architektonisch gesehen, faszinieren dich in Valencia?

Mich persönlich faszinieren mehr traditionelle Gebäude, z.B.  finde ich den Altstadtkern sehr schön und das Viertel Cabanyal mit seinen kleinen Fischerhäusern, die Barracas, die Bauernhäuser, also eigentlich eher traditionelle Gebäude. Die Calatrava-Gebäude im Flussbett sind auch beeindruckende Gebäude, sie geben ein interessantes Stadtbild und man muss dazu sagen, dass dadurch viele Touristen angezogen werden, was gut für die Stadt Valencia ist.

Wie managed du Familie und Job? Was macht für dich eine gute Work-life-Balance aus?

Ich versuche in den 12 Stunden oder 24 Stunden (sie lacht), alles unter einen Hut zu bringen. Vormittags widme ich mir ganz und gar der Architektur und die Nachmittage sind meinem Kind und meiner Familie gewidmet. Ich versuche das auszugleichen. Genau das steht für mich auch für eine gute Work-Life-Balance, so dass man beides in einem Gleichgewicht hält. Da für mich meine Arbeit und mein Kind unheimlich wichtig sind, habe ich mich entschieden, dass ich beides zu gleichen Teilen in meinem Leben unterbekommen möchte.

Was inspiriert dich bei deiner Arbeit? Oder wie inspirierst du dich?

Da mich gerade traditionelle Bauwerke interessieren, inspiriere ich mich z.B. auf Ausflügen und kleinen Reisen und schaue mir an, wie man früher gebaut hat. So werde ich inspiriert, das mit den heutigen Möglichkeiten zu modernisieren. Dann hole ich meinen Block und Stift heraus und  überlege, wie man das Alte modern gestalten kann.

Hast du Lieblingsplätze in Valencia?

Ich gehe unheimlich gerne an den Strand, bei Wind und Wetter, zu jeder Jahreszeit. Die Luft des Meeres pustet einen durch und beruhigt mich. Ich mache auch gerne  Ausflüge in die Berge, die Nähe zur Natur, aber auch die Altstadt mit ihren schönen Gebäuden und den schicken Kaffees gefällt mir – von allem ein bißchen.

 

Vielen Dank für das schöne Gespräch! Wenn ihr mehr über Passivhäuser wissen wollt,  findet ihr nützliche Informationen unter www.idnais.es 

Kommentar verfassen