Homestory Boris Strzelczyk – Guiding Architect in Valencia

Wir freuen uns, euch heute Boris vorzustellen. Ein Deutsch-Spanier, der bereits viele Jahre in Valencia wohnt und uns als Guiding Architect ganz neue Perspektiven und Blickwinkel der Stadt Valencia zeigen wird.

1. Erzähl uns ein wenig zu deiner Person, warum bist du nach Valencia gekommen? Was sind deine deutschen Komponenten und Hintergründe?

Meine Eltern waren während einer Reise Ende der sechziger Jahre so von der Costa Blanca beeindruckt, dass sie sich in Calpe niedergelassen haben. Ich wurde zwar etwas später in Überlingen am Bodensee geboren, habe jedoch meine Kindheit in Calpe am Meer verbracht. Abitur machte ich an der deutschen Schule in Valencia und danach ging es zum Architekturstudium nach Madrid, wo ich insgesamt 15 Jahre die Hauptstadt genossen habe. Nun lebe ich seit 2007 wieder in Valencia, das ich als meine Heimatstadt bezeichnen würde. Nach meiner Ankunft habe ich hier ein Architekturbüro eröffnet, in dem wir uns hauptsächlich mit Altbausanierung, Bauleitung und Beratung beschäftigen. Zwei Jahre später kam das Projekt Guiding Architects Valencia dazu.

2. Guiding Architects ist international in 41 Ländern vertreten mit mehr als 36.000 Teilnehmern. ( Stand 2017) – Was genau ist ein Guiding Architect?

Guiding Architects ist das weltweit größte internationale Netzwerk von örtlich ansässigen Architekten, die in ihren Städten Architekturführungen anbieten. Ein Guiding Architekt ist passionierter Architekt, der intensiv am Stadtgeschehen seiner Stadt mitwirkt und Spaß daran hat, seine Kenntnisse und Erfahrungen mit interessierten Bewohnern und Besuchern zu teilen. Wir sind stolz darauf, seit 2009 die Partner von Guiding Architects in Valencia zu sein.

3. Wie viele Guiding Architects gibt es in Valencia?

In Valencia sind wir momentan ein Team von 7 Architekten die aktiv in der lokalen Architekturszene mitwirken und Fachführungen vorbereiten und ausführen. Unsere Hauptziele sind Valencia, Sagunto, Benidorm und Alicante. Inzwischend bieten wir unseren Service auf Spanisch, Englisch, Französisch und natürlich auf Deutsch an.

4. Man erhält nicht nur Hintergrundfakten zur Architektur in Valencia, sondern auch zum Städtebau. Erzähl uns ein wenig, was die Teilnehmer einer derartigen Tour erwartet.

Die Stadt mit den Augen eines Architekten zu erkunden. Es geht uns mehr darum, Hintergründe und Zusammenhänge zu verstehen als Daten und Fakten aufzuzählen. Uns interessieren die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Geschehen, die Valencia geprägt haben und in die Zukunft führen werden. Architektur und Stadtebau ist für uns der Leitfaden, um die Stadt zu verstehen.

Die Stadt ist wie  ein Buch, das man mit den Füßen liest.

Wir organisieren Touren von wenigen Stunden, in denen wir das Essenzielle dieser Stadt vermitteln, bis hin zu mehrtägigen Fachführungen, die maßgeschneidert den Interessen der jeweiligen Reisegruppe entsprechen. Alle unsere Führungen beinhalten einen Crashkurs zur Stadtentwicklung.

5. Welche Führung kannst du uns empfehlen und welche Führungen liegen dir besonders am Herzen?

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(Foto: Kai Försterling / On Tour)

Eine Stadt besteht aus vielen sich teilweise überlagernden Schichten, einerseits tatsächlich archäologisch: hier in Valencia gibt es römische, arabische und christliche „Schichten“, andererseits themenspezifische Schichten: Die Entwicklung des öffentlichen Raumes, die Ikonarchitektur, das Verhältnis von Valencia zum Meer, politische Strategien, die Begrünung des Flusses, Bürgerinitiativen, die die Stadt für immer verändert haben, Valencias grüner Gürtel (die huerta), Umgestaltung der Meeresfront, Gentrifizierungsprozesse, Interessenskonflikte in der Albufera, etc. sind nur einige Beispiele, die uns interessieren und ständig erweitert werden. Alle unsere Touren sind maßgeschneidert und auf die Interessen der Gruppe ausgelegt. Unsere Kunden sind Architekturbüros, Ingenieure, Vereine, Investoren, Landschaftsplaner, öffentliche Institutionen, Firmen, Universitäten, aber auch vielfach private Gruppen und Kulturinteressierte.

6. Du bist in Valencia mit vielen Projekten engagiert. Auf was können wir uns in Zukunft freuen und wo können wir dich bald antreffen?

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(Foto: Boris Strzelczyk / Facunda Martínez)

Ich bin immer daran interessiert, unbekannte oftmals vergessene Themen dieser Stadt aufzudecken. Zur Zeit arbeite ich mit einem Fotografen an einer Publikation über einen Bauunternehmer namens Facundo Martínez. Er starb im Jahr 2005 im Alter von 69 Jahren. Der Name seiner Firma „Construcciones Facundo Martínez“ steht in gusseisernen Lettern in den meisten Eingängen der ungefähr zwanzig Gebäude, die er in Valencia gebaut hat. Ein Großteil davon sind Wohnblöcke, die zwischen den späten 50er und Mitte der 70er Jahre entstanden sind. Wenn man einmal einen „Facundo“ erkannt hat hat, ist es faszinierend die weiteren Gebäude von ihm zu suchen.

7. Was sind deine persönlichen architektonischen Highlights in Valencia?

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(Foto: Kai Försterling / Espai Verd)

Eines meiner Lieblingsobjekte ist der EspaiVerd, ein Bau aus den 90er Jahren in Benimaclet. Antonio Cortés, den Architekten dieser Wohngenossenschaft, hat es damals fast Kopf und Kragen gekostet, seine Visionen durchzusetzen. Ihm ging es um Dachgärten, großzügige Räumlichkeiten für ein Gemeindeleben, energiesparende Orientierung in der Himmelsrichtung, das Wasser, die Wegführung, den sakralen architektonischen Raum, …..während die Baukosten ständig stiegen. Heute, 30 Jahre später, sind alle 109 Familien glücklich, in diesem kleinen Paradies zu wohnen und Antonio hat seinen Traum (fast) verwirklicht.

8. Neben der Architektur, was sind deine Lieblingsorte in Valencia, die dich inspirieren oder wo du dich entspannst?

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(Foto: Milena Villalba / Stadtrand Valencia)

Mich ziellos durch die Stadt treiben zu lassen und immer wieder neue Stadtkulissen zu entdecken. Mich interessiert gerade auch das Nicht-Erbaute, das Negative, der Freiraum, der öffentliche Raum, der zwischen dem Erbauten übrig bleibt. An diesen, oftmals ungeplanten, zufällig entstandenen Orten, entstehen unvorgesehene interessante Nutzungen.

Es gibt nichts Spannenderes als durch die städtebaulich chaotischen Randgebiete zu laufen, in die Huerta zu treten und von dort aus den Anblick der kompakten Stadtgrenze zu genießen. Valencia ist die Stadt der Kontraste.

Vielen Dank, Boris, für das Interview!

Boris hat sich bereit erklärt, für unsere Leser eine spezielle Führung anzubieten. Schreibt euch in unseren Blog ein, um diese nicht zu verpassen. 

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Wir freuen uns, euch bald mehr davon zu berichten. Mehr zu Boris und seinen Touren erfahrt ihr unter  http://www.guiding-architects.net/es/tour-arquitectura/valencia/ oder http://ga-valencia.es/

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